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Unsere Einzelfall-Aktion seit 2009

BOROUJERDI

Hossein Kazemeyni Boroujerdi, geb.1957, ist ein iranischer Geistlicher, einer der höchsten geistlichen Würdenträger des Landes: ein Ajatollah und unter diesen einer der bekanntesten. Sein Großvater war der geistliche Lehrer von Chomeini, dem Begründer der gegenwärtigern Islamischen Republik. Boroujerdi vertritt mit seinen Glaubensbrüdern, der übergroßen Mehrheit im Lande, schiitische Überzeugungen.

Schiiten warten auf den Tag, an dem ihr Messias, der al- Mahdi, der „verborgene Imam“, zurückkehren und ein „islamisches Weltreich“ errichten wird. Darum verwerfen sie alle menschlichen Versuche, die politischen Verhältnisse im Lande zu verändern. Sie sind von Grund auf unpolitisch. Wir würden sagen: es sind Quietisten reinsten Wassers.Von dieser Linie ist Chomeini abgewichen. Als er aus dem Exil in Frankreich zurück nach Teheran kam, erklärte er sich zwar nicht zu diesem Mahdi, wohl aber zu dessen Statthalter, dessen Aufgabe es sei, das Gottesreich vorzubereiten. Auf diesem seinen Anspruch beruht seine und seiner Nachfolger Herrschaft und genau dieser ist es, den Boroujerdi und seine Gefolgsleute in Frage stellen. Sie bestreiten also die geistliche Legitimation der gegenwärtigen Regierung und gehören darum zu den dem Regime gefährlichsten Opponenten. Das ist der Grund, weshalb er seit 2007 im Gefängnis sitzt, die meiste Zeit in dem berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran.

Nach einem Zusammenstoß zwischen der Polizei und Hunderten seiner Anhänger wurde er 2006 zusammen mit vielen Glaubensbrüdern festgenommen. „Augenzeugen berichten von Panzerwagen, die eingesetzt worden seien, Hubschraubern, Tränengas, scharfer Munition. Fünf Menschen seien gestorben, vor Aufregung außerdem auch die greise Mutter“ (Kermani SZ vom 19. Juni 2007). 500 Glaubensbrüder werden haftet. Boroujerdi zum Tode verurteilt  Die Todesstrafe scheint dann aber in eine 11-jährige Haftstrafe umgewandelt worden zu sein.

Alle ihm zustehenden Rechte werden ihm versagt: der Zugang zu einem unabhängigen Rechtsbeistand, ein offener Gerichtsprozess, jährlicher Hafturlaub und medizinische Versorgung außerhalb des Gefängnisses. Den Angehörigen wird untersagt, ihn im Gefängnis zu besuchen.  2010 schrieb er einen offenen Brief an den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen. Seitdem sind die Haftbedingungen verschärft worden.

Sein Gesundheitszustand ist besorgniserregend. Er leidet an der Parkinson-Krankheit, an Diabetes, Bluthochdruck und Herzbeschwerden. Medikamente werden ihm vom Gefängnisarzt verschrieben, von den Gefängniswärtern aber nicht ausgehändigt. Er ist gefoltert worden und hat dabei wahrscheinlich sein Augenlicht verloren. Im August 2015 schrieb er einen verzweifelten Brief an seine Freunde. Darin steht der Satz: „Ich habe alle Qualen erlitten, meine Gesundheit verloren und keine Hoffnung, mein Leben fortzusetzen. Meine Beine sind gelähmt. Ich werde blind, meine Lungen sind in Gefahr zu versagen und mein Herz ebenso“.

 „Keine Hoffnung, mein Leben fortzusetzen“: das hört sich wie ein Abschied an.

Wir, also Amnesty 1005, die Gruppe Hannover Nord (Burgdorf/Burgwedel), haben uns mit anderen Gruppen im In- und Ausland seit Jahren seiner angenommen - ohne Erfolg. Wir haben den Eindruck: man läßt ihn schlicht und einfach verelenden. Ihn verschwinden zu lassen, dafür ist der Fall zu bekannt. Ihn frei zu geben: undenkbar.

Otto Ludwig

Burgdorf, im Mai 2016, AI-Gruppe 1005

Aktuelle Informationen zu Boroujerdi

Unter www.BAMAZADI.ORG wurden Informationen zu Boroujerdi veröffentlicht. Sein Gesundheitszustand hat sich demnach weiter verschlechtert. Der Koordinator der Iran-Kogruppe Dr. Werner Kohlhauer wird einen erneuten Antrag zu einer UA für Boroujerdi stellen.