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Narges Mohammadi

Unser neuer Gruppenfall ist die iranische Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Narges Mohammadi, die wegen ihres Engagements zu insgesamt 16 Jahren Haft verurteilt wurde.


Als Geschäftsführerin und stellvertretende Leiterin des Zentrums für MenschenrechtsverteidigerInnen (Center for Human Rights Defender – CHRD) in Teheran geriet sie mehrfach ins Visier der iranischen Behörden und wurde bereits mehrfach inhaftiert.
Das Zentrum, welches 2001 von Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi und bekannten Anwälten wie z.B. Abdolfattah Soltani gegründet wurde, machte sich u.A. zur Aufgabe, über Menschenrechtsverletzungen im Iran zu berichten, politischen Gefangenen eine unentgeltliche Verteidigung zu stellen und deren Angehörige zu unterstützen. 2008 wurde das Büro des CHRD von den iranischen Behörden geschlossen und seine Mitglieder bedroht, schikaniert oder verhaftet. Nichtsdestotrotz engagieren sich viele weiterhin für ihre Ziele und bezahlen dafür teilweise mit langjährigen Haftstrafen.

Weiteres menschenrechtliches Engagement Narges Mohammadis lag in der Mitbegründung der Initiative „Ende der Hinrichtung von Jugendlichen“, des Nationalen Friedenskomitees, des Komitees für freie und faire Wahlen, sowie der Organisation „Legam – Schritt für Schritt die Todesstrafe stoppen“.

Während ihres Physikstudiums schrieb sie Artikel für eine Studierendenzeitung, in denen sie sich für Frauenrechte stark machte und geriet dadurch bereits ins Visier der Behörden.
Danach arbeitete sie als Journalistin für mehrere reformorientierte Zeitungen und veröffentlichte ein Buch mit politischen Essays.

Sie ist am 21. April 1972 geboren, verheiratet und Mutter von 9 Jahre alten Zwillingen. Ihr Ehemann Taghi Rahmani, welcher bereits mehr als 15 Jahre aus politischen Gründen inhaftiert war, konnte 2012 ins französische Exil fliehen, wo er derzeit mit den gemeinsamen Kindern lebt. Telefonate mit den Kindern sind Narges Mohammadi  weitestgehend verboten, seit Juli 2015 wurde nur ein Telefonat von den Behörden erlaubt.

Nach ihrer früheren Inhaftierung am 10. Juni 2010  verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand stetig. Sie leidet an einer Nervenkrankheit mit Lähmungen und Anfällen, musste während der Haft mehrfach in Behandlung und kam dann vorerst auf Kaution frei. Eine genaue Diagnose konnten die Ärzte angeblich noch nicht stellen.

Damals wurde Narges Mohammadi im September 2011 wegen „Verabredung zu einer Straftat gegen die nationale Sicherheit“ und  „Verbreitung von Propaganda gegen das System“ zunächst zu elf Jahren Haft verurteilt, im Januar 2012 hat ein Berufungsgericht die Haftstrafe jedoch auf sechs Jahre verkürzt. Sie blieb zu dieser Zeit aber vorerst auf freiem Fuß.


Dies änderte sich im April 2012, als  Narges Mohammadi von vermeintlichen MitarbeiterInnen des iranischen Geheimdienstes ein weiteres Mal festgenommen und inhaftiert wurde. Aufgrund eines sich erneut verschlechternden Gesundheitszustandes wurde sie im Sommer 2012 wieder mehrfach im Krankenhaus behandelt und am 31. Juli nochmal gegen Kaution zur Behandlung entlassen.

Nach diesem längeren Hafturlaub wurde Narges Mohammadi zuletzt am 5. Mai 2015 in ihrer Wohnung verhaftet. Zuvor hatte sie sich mit der damaligen EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am 8. März 2014, dem internationalen Frauentag, getroffen, die iranische Regierung in einem Brief offen kritisiert, der International Campaign for Human Rights in Iran (ICHRI) ein Interview gegeben und an einer Mahnwache gegen die Hinrichtung mehrere Gefangener teilgenommen.
Diese menschenrechtlichen Aktivitäten wurden ihr daraufhin vor Gericht zur Last gelegt.

Im Mai 2016 wurde Narges Mohammadi zu fünf Jahren Haft wegen „Verschwörung gegen die Islamische Republik“, zu einem Jahr Haft wegen „Propaganda gegen die Regierung“ und zu zehn Jahren Haft wegen „Gründung einer illegalen Gruppe“ verurteilt. Laut dem neuen Strafgesetz von 2013 müsste sie die Dauer ihrer längsten Einzelstrafe absitzen, also zehn Jahre.

Wir von der Amnesty International Hochschulgruppe Hannover setzen uns für ihre Freilassung ein.
Unter anderem fordern wir, dass sie eine ausreichende medizinische Versorgung erhält, dass sie in der Haft nicht misshandelt oder gefoltert wird und vor allem, dass sie aus dem Gefängnis entlassen wird, da sie kein Verbrechen begangen hat, sondern sich nur für die Menschenrechte anderer eingesetzt und von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung gebraucht gemacht hat.
Um diese Forderungen durchzusetzen, sammeln wir Unterschriften, informieren und sensibilisieren die Öffentlichkeit und schreiben regelmäßig den iranischen Behörden und dem Botschafter.
Setze auch du dich für Narges Mohammadis Freilassung ein! Hier geht es zur Petition