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Fotoausstellung: Kobanê – Ein Leben in Trümmern

„Das meiste war geschehn und keiner sah…

Das trübste wird erst sein und keiner sieht.“

 

So heißt es im Gedicht „Der Krieg“ von Stefan George über den 2. Weltkrieg. Wer verstehen möchte, warum heute so viele Menschen aus Syrien flüchten, welche Gräueltaten diese Menschen zuhause erlebt haben und wer sich die Frage stellt, wie es mit Syrien weiter geht, der muss hinschauen! Mit der Fotoausstellung über die Zerstörung der syrischen Stadt Kobanê im Antikriegshaus in Sievershausen möchte Amnesty International e.V. einladen gemeinsam hinzuschauen.

Zur Eröffnung der Ausstellung am 7. Dezember kamen rund 40 interessierte Besucher um sich zu informieren und die auf Papier gebannten Eindrücke des Fotografen Robin Hinsch anzuschauen. Robin Hinsch, Jahrgang 1987 und Masterstudent an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, war im Frühjahr 2015 in der syrischen Grenzstadt im Norden des Landes. Die überwiegend von Kurden bewohnte Stadt, erlangte weltweit traurige Berühmtheit, als sich im Herbst 2014 Kämpfer dem Vorrücken des IS entgegen stellten, um die Stadt zu verteidigen. Zahlreiche Luftangriffe und der langwierige Häuserkampf hinterließen nur Ruinen der Stadt. Zur Eröffnung der Ausstellung berichtete Robin Hinsch von seinen Eindrücken der zerstörten Straßen und der noch immer in den Trümmern von Kobanê lebenden Menschen. Seine Geschichten ließen die Bilder lebendig werden.

Neben dem Fotografen war auch der Syrienexperte Amil Gorgis aus Berlin angereist. Gorgis kam vor über 40 Jahren aus Syrien nach Deutschland und engagiert sich seither für geflohene syrische Christen. Sein Vortrag zeigte wie komplex die Zusammenhänge im Syrien-Konflikt sind und wie schwer eine ausgewogene Betrachtung am Ende fällt.

Eine Vertreterin von Kargah e.V. – Verein für interkulturelle Kommunikation, Flüchtlings- und Migrationsarbeit aus Hannover, Juana Steberl, ergänzte das Podium. Kargah e.V. ist im Rahmen des Landesprogramms für „Dezentrale Flüchtlingssozialarbeit“ Träger einer Beratungsstelle für MigrantInnen und Flüchtlinge und führt Maßnahmen zur beruflichen und sprachlichen Qualifizierung von Flüchtlingen, MigrantInnen und AussiedlerInnen durch. Juana Steberl ist täglich mit den Sorgen und Herausforderungen der Geflüchteten konfrontiert und erweiterte damit den Blick auf die Folgen des Krieges in Syrien.

Nach knapp 2 Stunden erzählen, erklären und fragen hatten die Besucher noch Gelegenheit bei einem kleinen Sektempfang durch die Ausstellung zu gehen und mit dem Fotografen zu sprechen. Ein spannender und erfolgreicher Abend und doch bleibt das Gefühl noch viel tun zu müssen, aufmerksam bleiben zu müssen und eben nicht einfach wieder weg zu schauen.

Die Fotos von Robin Hinsch werden noch bis Ende Januar 2016 im Antikriegshaus in Sievershausen (Lehrte) gezeigt.

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